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Es zieht beim Fenster: Dichtung ersetzen oder Beschlag einstellen?

Zugluft heisst nicht automatisch neue Dichtung. Oft stimmt nur der Anpressdruck nicht mehr, und das ist eine Einstellarbeit.

Von Martin Röllin 6 Minuten Lesezeit

Sie sitzen am Esstisch, das Fenster ist zu, und trotzdem streicht ein kühler Zug über den Nacken. Der Vorhang bewegt sich leicht. Im Winter ist das ein Ärgernis und ein Kostenfaktor zugleich.

Bevor Sie eine neue Dichtung bestellen, lohnt sich eine Minute Diagnose. Denn Zugluft hat zwei Hauptursachen und nur eine davon wird mit einer neuen Dichtung gelöst.

Der Papiertest

Nehmen Sie ein normales Blatt Papier, legen Sie es zwischen Flügel und Rahmen und schliessen Sie das Fenster ganz. Ziehen Sie dann am Papier.

Es lässt sich leicht herausziehen: An dieser Stelle liegt die Dichtung nicht an. Machen Sie den Test rundum, alle zwanzig Zentimeter. So sehen Sie sofort, ob das Fenster nur an einer Stelle undicht ist oder überall.

Es klemmt spürbar: An dieser Stelle ist alles in Ordnung.

Das Ergebnis unterscheidet die beiden Fälle:

  • Punktuell undicht, meistens auf der Griffseite oben oder unten: Das ist ein Anpressproblem. Der Beschlag ist zu justieren, nicht die Dichtung.
  • Rundum undicht: Die Dichtung ist am Ende. Sie ist hart geworden und federt nicht mehr zurück.

Fall 1: Der Anpressdruck stimmt nicht mehr

Ein modernes Fenster verriegelt an mehreren Punkten rundum. Jeder dieser Punkte drückt den Flügel an die Dichtung. Über die Jahre setzt sich der Flügel, die Schliessbleche nutzen sich ab, der Druck wird ungleichmässig.

Die Zapfen an den meisten Beschlägen sind exzentrisch, sie lassen sich verdrehen und damit fester oder lockerer stellen. Dazu kommt die Höhen- und Seitenverstellung an den Bändern. Wer das richtig macht, bringt das Fenster mit ein paar Handgriffen wieder rundum zum Anliegen.

Wer es falsch macht, zieht alles fest, das Fenster schliesst nur noch mit Kraft, der Beschlag steht unter Dauerlast und die Dichtung wird plattgedrückt. Dann ist nach zwei Jahren wirklich eine neue Dichtung fällig. Das ist der Grund, warum sich diese Arbeit nur bedingt für Selbstversuche eignet.

Fall 2: Die Dichtung ist am Ende

Gummi und Kunststoff altern. Sie werden hart, verlieren die Rückstellkraft und reissen an den Ecken. Eine Dichtung, die Sie mit dem Fingernagel eindrücken und die nicht mehr zurückkommt, dichtet nicht mehr, egal wie fest der Flügel schliesst.

Der Ersatz ist eine überschaubare Arbeit: Die alte Dichtung wird aus der Nut gezogen, die Nut gereinigt, die neue Dichtung eingesetzt und an den Ecken sauber gestossen oder verklebt. Entscheidend ist das richtige Profil. Es gibt Dutzende, und jedes Fenstersystem hat sein eigenes. Genau dafür liegt im Servicebus ein Sortiment der gängigen Profile bereit.

Fall 3: Es zieht gar nicht beim Flügel

Manchmal kommt die kalte Luft nicht zwischen Flügel und Rahmen durch, sondern zwischen Rahmen und Mauer. Das ist der Anschlussbereich, und dort hilft weder Dichtung noch Beschlag. Erkennbar ist es daran, dass der Papiertest rundum sauber ist und es trotzdem zieht, oder daran, dass die Zugluft aus der Fensterlaibung kommt und nicht aus dem Fensterfalz.

Hier ist die Frage, ob eine Nachdichtung der Fuge genügt oder ob mehr dahintersteckt. Das schaut man vor Ort an.

Was Zugluft sonst noch verursacht

Zugluft ist selten ein Einzelthema. Ein undichtes Fenster kühlt die Laibung aus, dort schlägt sich Feuchtigkeit nieder und irgendwann sitzt in der Ecke Schimmel. Wer die Zugluft früh behebt, erspart sich diese Folgekosten. Wie das zusammenhängt, steht im Ratgeber Schimmel am Fensterrahmen.

Wie es weitergeht

Beide Reparaturen, Anpressdruck einstellen und Dichtung ersetzen, gehören zur Fensterreparatur und werden in aller Regel beim ersten Termin erledigt. Wenn mehrere Fenster betroffen sind, lohnt es sich, sie in einem Durchgang zu machen. Genau dafür gibt es den Fensterservice.

Machen Sie den Papiertest vor dem Anruf, dann wissen Sie schon, was zu erwarten ist.

Zugluft oder kalte Strahlung? Der Unterschied ist wichtig

Nicht jedes unangenehme Gefühl am Fenster ist Zugluft. Es gibt zwei verschiedene Phänomene, und sie brauchen zwei verschiedene Massnahmen.

Zugluft ist bewegte Luft. Sie spüren sie an den Knöcheln, an den Waden und im Nacken. Sie ist punktuell, sie lässt sich mit der Hand orten, und sie hört auf, wenn die undichte Stelle geschlossen ist. Zugluft ist ein mechanisches Problem am Flügel oder an der Dichtung.

Kalte Strahlung ist etwas anderes. Wenn die Glasoberfläche deutlich kälter ist als der Raum, gibt Ihr Körper Wärme an diese kalte Fläche ab. Sie frieren, obwohl sich nichts bewegt. Das passiert bei Einfachglas und bei älterem Isolierglas mit erschöpfter Gasfüllung. Hier hilft keine Dichtung, sondern nur besseres Glas.

So unterscheiden Sie die beiden: Halten Sie den Handrücken einmal direkt vor die Glasmitte und einmal an die Fuge zwischen Flügel und Rahmen. Ist die Glasmitte spürbar kalt, aber an der Fuge tut sich nichts, ist es Strahlung. Spüren Sie einen Luftzug an der Fuge, ist es Zugluft.

Der Unterschied entscheidet über die Massnahme und über die Kosten. Eine Dichtung zu ersetzen ist eine kleine Arbeit am bestehenden Flügel. Besseres Glas einzusetzen ist eine Sache für den Glasersatz, bei der der bestehende Rahmen erhalten bleibt und nur die Scheibe getauscht wird.

Häufig treten beide Effekte zusammen auf. Dann lohnt es sich, zuerst die Dichtheit in Ordnung zu bringen. Erst danach zeigt sich, wie viel vom Kältegefühl wirklich am Glas liegt.

Fragen

Kurz gefragt

Wie lange hält eine Fensterdichtung?

Je nach Material, Lage und Beanspruchung viele Jahre. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern der Zustand: Eine Dichtung, die hart ist, Risse zeigt oder nach dem Zusammendrücken nicht mehr zurückfedert, hat ihre Aufgabe hinter sich.

Kann ich Dichtungsband aus dem Baumarkt aufkleben?

Für ein altes Kastenfenster ist das eine mögliche Notlösung. Bei einem modernen Fenster mit Nutdichtung ist es falsch: Das Zusatzband verändert den Anpressdruck, der Flügel schliesst schwer und der Beschlag nimmt Schaden.

Lohnt sich neue Dichtung oder gleich ein neues Fenster?

Fast immer die Dichtung. Sie ist ein Verschleissteil und kostet einen Bruchteil eines Fensters. Ein Ersatz wird erst zum Thema, wenn der Rahmen selber undicht oder das Holz faul ist.

Ein Anruf klärt mehr als eine Stunde Suchen

Beschreiben Sie kurz, was das Fenster macht. Wenn Sie ein Foto schicken, liegt das passende Ersatzteil meistens schon im Bus, wenn wir kommen.

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