Fenster klemmt: die häufigsten Ursachen
Der Flügel schleift beim Schliessen am Rahmen, der Griff lässt sich nur noch mit Kraft drehen, oder das Fenster geht erst zu, wenn Sie mit der Schulter nachhelfen. Das ist der häufigste Anruf, den wir bekommen. Und es ist fast immer ein kleines Problem, das gross wird, wenn man es liegen lässt.
Ursache 1: Der Flügel hat sich gesenkt
Ein Fensterflügel hängt an zwei bis drei Punkten und wiegt je nach Grösse und Verglasung schnell dreissig Kilo und mehr. Über die Jahre gibt der Beschlag minim nach, der Flügel sinkt an der Griffseite ab. Wenige Millimeter genügen, damit er unten am Rahmen aufsitzt.
Erkennen Sie es so: Am unteren Rahmenschenkel auf der Griffseite ist eine blanke Scheuerstelle oder ein sauberer Abdruck im Lack. Wenn Sie den Flügel leicht anheben, während Sie ihn schliessen, geht er plötzlich problemlos zu.
Was zu tun ist: Der Flügel wird an den Bändern angehoben und wieder ins Lot gebracht. Eine Arbeit von zwanzig Minuten pro Fenster.
Ursache 2: Der Beschlag läuft trocken
Im Flügel sitzt eine Mechanik aus Stangen, Zapfen und Scheren, die beim Drehen des Griffs rundum verriegelt. Wenn das Fett dort ausgetrocknet ist, wird der Griff schwer, die Zapfen schleifen an den Schliessblechen.
Erkennen Sie es so: Der Griff geht überall gleichmässig schwer, das Fenster selbst sitzt aber sauber im Rahmen und zeigt keine Scheuerstellen.
Was zu tun ist: Bewegliche Teile reinigen und schmieren. Verwenden Sie ein säure- und harzfreies Fett oder Öl, kein Kriechöl aus der Sprühdose. Das löst die Rückstände zwar kurzfristig, spült aber das verbleibende Fett aus und macht es nach ein paar Monaten schlimmer.
Ursache 3: Das Material hat gearbeitet
Holz nimmt Feuchtigkeit auf und quillt, im Winter trocknet es wieder. Kunststoff und Aluminium dehnen sich in der Sonne. Ein Fenster an der Südseite steht im Sommer nachmittags anders da als im Januar früh am Morgen.
Erkennen Sie es so: Es klemmt nur zu bestimmten Jahreszeiten oder Tageszeiten und geht danach von selbst wieder.
Was zu tun ist: Das Fenster braucht etwas mehr Luft. Der Beschlag wird so eingestellt, dass das Fenster über den ganzen Jahresverlauf schliesst, ohne dass die Dichtheit leidet. Dieser Kompromiss ist Erfahrungssache.
Ursache 4: Etwas im Beschlag ist gebrochen
Wenn ein Zapfen abgeschert, eine Schere gerissen oder das Getriebe im Flügel gebrochen ist, hilft kein Einstellen mehr.
Erkennen Sie es so: Der Griff dreht plötzlich leer durch oder blockiert vollständig. Manchmal hat es beim letzten Schliessen geknackt. Häufig lässt sich das Fenster dann weder kippen noch richtig verriegeln.
Was zu tun ist: Das defekte Teil wird ersetzt. Weil im Servicebus die Teile der gängigen Systeme liegen, ist das meistens beim ersten Termin erledigt. Mehr dazu unter Fensterreparatur.
Was Sie selber prüfen können
- Schauen Sie den unteren Rahmen auf Scheuerstellen an.
- Heben Sie den Flügel beim Schliessen leicht an. Geht es dann leichter?
- Drehen Sie den Griff bei geöffnetem Flügel. Läuft er gleichmässig oder hakt er an einem Punkt?
- Prüfen Sie, ob der Flügel im geschlossenen Zustand rundum gleichmässig anliegt.
Diese vier Beobachtungen sagen am Telefon schon fast alles. Wenn Sie sie mit einem Foto vom Beschlag und einem vom ganzen Fenster ergänzen, wissen wir vorher, welches Ersatzteil mitkommen muss.
Was Sie nicht tun sollten
Ziehen Sie keine Schrauben an, deren Funktion Sie nicht kennen. An einem Fensterbeschlag sitzen Verstellschrauben und Befestigungsschrauben nebeneinander, und wer die falsche dreht, verschiebt die ganze Geometrie. Sprühen Sie nichts Öliges auf die Dichtung, das lässt Gummi aufquellen. Und schlagen Sie einen klemmenden Flügel nicht ins Schloss, damit brechen die Zapfen ab, die vorher nur schwergängig waren.
Ein klemmendes Fenster ist die günstigste Reparatur, die es an einem Fenster gibt, solange man sie nicht liegen lässt. Wer ein Jahr lang mit Gewalt schliesst, kauft am Ende ein Getriebe statt einer halben Stunde Arbeit. Ein regelmässiger Fensterservice verhindert genau das.
Was der Ort des Klemmens verrät
Wo genau der Flügel streift, sagt schon viel über die Ursache. Machen Sie das Fenster einmal langsam zu und schauen Sie, wo es hakt.
Unten an der Schliessseite, gegenüber den Bändern. Der Klassiker. Der Flügel hat sich abgesenkt, weil das Eigengewicht über Jahre an den Bändern gezogen hat. Die Diagonale stimmt nicht mehr. Hier wird angehoben und neu justiert.
Oben an der Schliessseite. Deutet oft darauf hin, dass die Schere am oberen Bandeck locker ist oder der Flügel nach vorn kippt. Auch ein verzogener Rahmen kommt in Frage, vor allem in älteren Häusern, in denen sich Mauerwerk gesetzt hat.
In der Mitte der Schliessseite. Meistens hat sich der Flügel verworfen. Bei Holzfenstern passiert das, wenn eine Seite Feuchtigkeit gezogen hat und die andere nicht.
Über die ganze Höhe gleichmässig. Dann ist der Anpressdruck rundum zu hoch eingestellt, oder eine neue Dichtung ist zu dick. Das kommt vor, wenn früher einmal ein nicht passendes Profil eingezogen wurde.
Der Griff lässt sich nicht mehr ganz drehen, der Flügel streift aber nirgends. Dann liegt es nicht an der Geometrie, sondern im Beschlag. Ein Getriebeteil sitzt fest oder ist gebrochen. Weiterdrücken macht es schlimmer.
Diese Zuordnung ersetzt keine Beurteilung vor Ort, aber sie hilft am Telefon enorm. Wenn Sie sagen können, an welcher Stelle es klemmt, ist meistens schon klar, welches Ersatzteil mitkommen muss. Mehr dazu unter Fenster reparieren.