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Feuchtigkeit

Kondenswasser am Fenster innen: Ursachen und was wirklich hilft

Wasser an der Scheibeninnenseite ist ein Feuchtigkeitsproblem, kein Fensterdefekt. Ausser wenn doch. So unterscheiden Sie die beiden Fälle.

Von Martin Röllin 6 Minuten Lesezeit

Von Oktober bis März stellt sich diese Frage in jedem zweiten Haushalt: Am Morgen steht Wasser auf der Fensterbank, die Scheibe ist innen beschlagen, in der Ecke bildet sich ein grauer Rand. Ist das Fenster kaputt?

In den meisten Fällen nein. Kondenswasser auf der Innenseite der Scheibe ist Physik, nicht Defekt. Es lohnt sich trotzdem, genau hinzuschauen, denn es gibt drei Fälle, und nur einer davon ist harmlos.

Wo genau steht das Wasser?

Das ist die wichtigste Frage, und sie entscheidet fast alles.

Innen auf der Scheibe, im Raum. Warme Raumluft trifft auf eine kalte Glasoberfläche und gibt Feuchtigkeit ab. Das ist das häufigste Bild und meistens ein Lüftungs- und Feuchtigkeitsthema.

Zwischen den Scheiben. Wenn das Wasser dort sitzt, wo Sie es nicht wegwischen können, ist der Randverbund des Isolierglases undicht geworden. Das Gas ist entwichen, die Scheibe ist am Ende ihrer Lebensdauer. Reparieren lässt sich das nicht, die Scheibe wird ersetzt. Der Rahmen bleibt in aller Regel stehen. Mehr dazu unter Glasersatz.

Aussen auf der Scheibe. Das sieht dramatisch aus, ist aber ein gutes Zeichen: Ihr Fenster dämmt so gut, dass die äussere Scheibe kalt bleibt und der Morgentau sich dort niederschlägt. Nichts zu tun.

Warum ausgerechnet in der kalten Jahreszeit

Warme Luft kann mehr Wasserdampf tragen als kalte. Wenn warme Raumluft an einer kalten Fläche abkühlt, fällt sie unter den Taupunkt und gibt Wasser ab. Das Fenster ist im Winter fast immer die kälteste Fläche im Raum, also schlägt sich die Feuchtigkeit zuerst dort nieder.

Ein Vierpersonenhaushalt gibt pro Tag mehrere Liter Wasser an die Raumluft ab: Duschen, Kochen, Wäschetrocknen, Zimmerpflanzen, Atmen. Diese Menge muss irgendwo hin. Entweder Sie lüften sie hinaus, oder sie schlägt sich an der kältesten Fläche nieder.

Die vier Ursachen, die wir in der Praxis sehen

Zu wenig Luftwechsel. Der häufigste Fall. Gekippte Fenster kühlen die Laibung aus, ohne die Luft wirklich zu tauschen. Kurzes Querlüften mit weit geöffneten Fenstern bringt in fünf Minuten mehr als eine Stunde Kippstellung. Wie das genau geht, steht im Ratgeber Richtig lüften.

Zu viel Feuchtigkeit. Wäsche in der Wohnung, ein Aquarium, viele Pflanzen, Duschen ohne Abluft. Eine Wohnung verträgt im Winter etwa vierzig bis fünfzig Prozent relative Luftfeuchte. Ein Hygrometer für wenige Franken sagt Ihnen, wo Sie stehen.

Zu kalte Oberflächen. Möbel dicht vor der Aussenwand, Vorhänge über der Heizung, ein nicht beheiztes Schlafzimmer neben einem warmen Wohnzimmer. Überall dort sinkt die Oberflächentemperatur und der Taupunkt wird schneller erreicht.

Alte Verglasung. Bei Einfachglas oder sehr altem Isolierglas ist die Innenscheibe so kalt, dass sie auch bei vernünftigem Lüftungsverhalten beschlägt. Hier hilft kein Verhalten mehr, hier hilft besseres Glas.

Was Sie sofort tun können

  1. Das Wasser jeden Morgen abwischen. Stehendes Wasser ist die eigentliche Gefahr, nicht der Beschlag selbst.
  2. Zwei bis drei Mal täglich fünf Minuten querlüften, Fenster weit auf, Durchzug erzeugen.
  3. Nach dem Duschen und Kochen gezielt lüften, Türe zum Rest der Wohnung dabei zu.
  4. Möbel mindestens eine Handbreit von der Aussenwand abrücken.
  5. Alle Räume auf mindestens 16 Grad heizen, auch das Schlafzimmer.
  6. Ein Hygrometer aufstellen und eine Woche lang beobachten.

Wann Sie den Fensterservice rufen sollten

Es gibt Fälle, in denen das Fenster tatsächlich beteiligt ist:

  • Das Wasser sitzt zwischen den Scheiben.
  • Sie lüften richtig, die Raumfeuchte liegt unter fünfzig Prozent, und das Fenster beschlägt trotzdem jeden Morgen.
  • Es tropft nicht nur, sondern es zieht spürbar, auch bei geschlossenem Flügel.
  • Der Rahmen ist unten aufgequollen oder das Holz ist weich geworden.
  • In der Ecke wächst bereits Schimmel.

In den ersten beiden Fällen geht es um die Verglasung. In den anderen um den Zustand von Dichtung, Beschlag und Rahmen. Beides schauen wir bei einem Termin an: Fensterreparatur.

Der Punkt, der oft vergessen geht

Kondenswasser ist ein Messgerät, kein Feind. Es zeigt Ihnen, dass die Feuchtigkeit im Raum und die Temperatur der Oberflächen nicht zusammenpassen. Wer nur wischt, behandelt das Symptom. Wer die Ursache sucht, hat das Thema in ein bis zwei Wochen erledigt.

Wenn Sie unsicher sind, welche der Ursachen bei Ihnen zutrifft: Machen Sie ein Foto vom beschlagenen Fenster und schicken Sie es uns. Meistens sieht man auf dem Bild schon, ob es ums Verhalten, um die Dichtung oder um das Glas geht.

Warum neue Fenster in einem alten Haus zu Kondenswasser führen können

Das klingt widersprüchlich, ist aber einer der häufigsten Fälle, die wir sehen. Nach einem Fenstertausch beschlagen plötzlich die Scheiben, oder es zeigt sich Schimmel in einer Ecke, die vorher trocken war.

Der Grund liegt nicht am neuen Fenster, sondern an der Bauphysik des ganzen Hauses. Ein altes, undichtes Fenster war eine dauernde, unbeabsichtigte Lüftung. Feuchtigkeit ist rund um die Uhr abgezogen, ohne dass jemand etwas dafür tun musste. Das hat Heizkosten verursacht, aber es hat den Raum trocken gehalten.

Ein neues, dichtes Fenster schliesst diesen Weg. Die Feuchtigkeit aus Kochen, Duschen, Wäsche und Atmung bleibt im Raum. Sie sucht sich die kälteste Fläche, und das ist jetzt nicht mehr das Glas, sondern die schlechtest gedämmte Stelle der Aussenwand: die Fensterlaibung, eine Aussenecke, die Fläche hinter einem Schrank.

Daraus folgen zwei Dinge:

  1. Nach einem Fenstertausch muss das Lüftungsverhalten angepasst werden. Was vorher von selber ging, muss jetzt bewusst gemacht werden. Wie das geht, steht unter Richtig lüften.
  2. Ein Fenstertausch ohne Blick auf die Wand kann ein Problem verschieben statt lösen.

Das ist übrigens ein Argument, das bei der Frage sanieren oder ersetzen selten auf dem Tisch liegt: Ein saniertes Fenster mit neuen Dichtungen wird dicht, aber selten so dicht wie ein Neubaufenster. In einem Altbau ohne Lüftungskonzept kann das sogar der ruhigere Weg sein.

Fragen

Kurz gefragt

Ist Kondenswasser am Fenster gefährlich?

Für die Gesundheit nicht direkt. Gefährlich wird es, wenn das Wasser tagelang stehen bleibt. Dann quillt Holz auf, die Dichtung leidet und in der Ecke wächst Schimmel. Wischen Sie das Wasser darum jeden Morgen weg.

Warum beschlägt nur ein Fenster in der Wohnung?

Weil dieses Fenster die kälteste Oberfläche im Raum hat. Meistens ist es ein älteres Fenster, ein Nordfenster oder eines hinter einem Vorhang. Dort schlägt sich die Feuchtigkeit zuerst nieder.

Wann hilft nur noch neues Glas?

Wenn das Fenster trotz richtigem Lüften bei mässiger Raumfeuchte immer wieder beschlägt, ist der U-Wert der Verglasung zu tief. Dann ist besseres Isolierglas im bestehenden Rahmen oft die günstigste Lösung.

Ein Anruf klärt mehr als eine Stunde Suchen

Beschreiben Sie kurz, was das Fenster macht. Wenn Sie ein Foto schicken, liegt das passende Ersatzteil meistens schon im Bus, wenn wir kommen.

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