Fenster einstellen: was Sie selber machen können und wo Schluss ist
Es gibt viele Videos, die zeigen, wie man ein Fenster in zwei Minuten selber einstellt. Manches davon stimmt. Dieser Artikel sagt auch, was diese Videos weglassen: wo die Grenze verläuft und warum es hinter der Grenze teuer wird.
Wie ein Fensterbeschlag aufgebaut ist
Ein Dreh-Kipp-Fenster hängt an einem unteren Ecklager und einem oberen Kippscherenlager. Im Flügel läuft eine Mechanik aus Stangen, die beim Drehen des Griffs Zapfen bewegt. Diese Zapfen fahren in Schliessbleche im Rahmen und ziehen den Flügel an die Dichtung.
Verstellbar sind drei Dinge:
- Höhe: am unteren Ecklager
- Seite: am unteren Ecklager und am oberen Scherenlager
- Anpressdruck: an den Zapfen rundum und am Kippscherenlager
Und genau dazwischen sitzen Schrauben, die nichts einstellen, sondern den Flügel halten. Die dürfen Sie nicht anfassen.
Was Sie selber machen dürfen
Die Zapfen etwas fester stellen
Wenn es an einer Stelle zieht, lassen sich die Exzenterzapfen dort verdrehen. Öffnen Sie den Flügel, schauen Sie die Zapfen an der Schliessseite an. Viele haben eine Markierung. Zeigt sie zur Raumseite, ist der Druck hoch, zeigt sie nach aussen, ist er niedrig.
Verstellen Sie höchstens einen Zapfen um eine Stufe, schliessen Sie das Fenster und prüfen Sie mit dem Papiertest, ob es besser ist. Machen Sie das nie an allen Zapfen gleichzeitig fest, sonst schliesst das Fenster nur noch mit Kraft und der ganze Beschlag steht unter Dauerlast.
Bewegliche Teile schmieren
Einmal im Jahr die Zapfen, Scheren und Bänder mit säure- und harzfreiem Fett oder Öl behandeln. Das ist ungefährlich, verlängert die Lebensdauer und lässt den Griff wieder leicht laufen. Wichtig: Nichts Öliges auf die Dichtung, das lässt Gummi aufquellen. Und kein Kriechöl, das spült das verbleibende Fett aus.
Was Sie besser nicht machen
Die Höhe verstellen
Am unteren Ecklager sitzt eine Schraube, mit der sich der Flügel anheben lässt. Klingt einfach. Das Problem: Wenn Sie den Flügel anheben, verschieben sich alle Zapfen relativ zu ihren Schliessblechen. Ein Fenster, das vorher unten schliff, klemmt danach oben. Wer die Höhe verstellt, muss anschliessend den ganzen Anpressdruck rundum neu justieren.
Die Seitenverstellung anfassen
Hier gilt dasselbe, nur stärker. Die Seitenverstellung verändert die Geometrie des Flügels im Rahmen. Ohne Wasserwaage und ohne systematische Kontrolle rundum entsteht daraus ein Fenster, das an einer Ecke anliegt und an der anderen einen Spalt hat.
Am Getriebe arbeiten
Das Getriebe sitzt im Flügelprofil unter dem Griff. Wenn es hakt oder durchdreht, ist etwas gebrochen. Das lässt sich nicht einstellen, das wird ersetzt. Aufschrauben lohnt sich nicht, weil die Stangen unter Spannung stehen und beim Herausnehmen ihre Position verlieren.
Ein Fenster mit Gewalt schliessen
Der teuerste Fehler überhaupt. Ein Flügel, der klemmt, klemmt aus einem Grund. Wer ihn ins Schloss drückt, schert früher oder später einen Zapfen ab oder verbiegt eine Schere. Aus einer halben Stunde Einstellarbeit wird ein Ersatzteil.
Die ehrliche Grenze
Die Regel, die sich in der Praxis bewährt hat: Ein Punkt verstellen ist Nachstellen. Mehrere Punkte gleichzeitig verstellen ist ein Handwerk.
Wenn Sie einen Zapfen um eine Stufe fester drehen und das Problem ist weg, war es das. Wenn Sie merken, dass Sie an drei Stellen nachbessern müssen, damit es überall passt, dann haben Sie ein Fenster vor sich, das grundsätzlich neu ausgerichtet gehört. Das ist keine Schwäche, das ist einfach der Punkt, ab dem Erfahrung und das richtige Werkzeug den Unterschied machen.
Was das an einem echten Fenster heisst, steht im Ratgeber Fenster klemmt. Wenn Sie zum Schluss kommen, dass es mehr als ein Handgriff ist: Ein Anruf und ein Foto vom Beschlag genügen, dann liegt das passende Teil schon im Bus. Alles dazu unter Fensterreparatur und Fensterservice.
Das Werkzeug, das Sie dafür brauchen
Für die Arbeiten, die Sie selber machen dürfen, reicht wenig:
- Ein Satz Innensechskantschlüssel, meist wird 4 mm gebraucht, gelegentlich 5 mm
- Ein Torx-Satz, T15 und T20 decken die meisten Beschläge ab
- Ein Kreuzschraubenzieher für Griffschrauben
- Säurefreies Öl oder Beschlagfett, ausdrücklich kein Kriechöl aus der Sprühdose
Kriechöl ist der häufigste Fehler. Es löst zwar auf den ersten Griff, es spült aber gleichzeitig das eigentliche Schmiermittel aus dem Getriebe. Ein paar Wochen später läuft der Beschlag schlechter als vorher. Nehmen Sie ein Fett oder ein Öl, das für Fensterbeschläge gedacht ist, und geben Sie es sparsam auf die beweglichen Teile und auf die Schliessstücke.
Nach dem Einstellen: die Kontrolle
Wer einen Beschlag verstellt, muss danach prüfen, ob das Fenster noch rundum dicht ist. Sonst haben Sie das Klemmen behoben und sich Zugluft eingehandelt.
- Schliessen Sie den Flügel und drehen Sie den Griff nach unten.
- Klemmen Sie ein Blatt Papier an vier Stellen zwischen Flügel und Rahmen ein: oben, unten, links, rechts.
- Ziehen Sie das Blatt bei geschlossenem Fenster heraus. Überall soll ein spürbarer Widerstand da sein.
- Kommt es an einer Stelle mühelos heraus, drückt der Flügel dort zu wenig an.
Wenn Sie den Anpressdruck an einer Stelle erhöhen, ändert sich meistens auch die Lage an der gegenüberliegenden Seite. Arbeiten Sie deshalb in kleinen Schritten und prüfen Sie nach jedem Schritt neu. Wer den Anpressdruck an allen Punkten auf Maximum stellt, verzieht den Flügel und drückt die Dichtung platt.